Samstag, 30. Juli 2016

Ankommen

Mittlerweile geht der dritte Tag der Reise seinem Ende entgegen - und man kann ihn im Grunde immer noch als Teil der Anreise, oder zumindest des Ankommens, betrachten. Gestern sind wir - Jetlag sei Dank - in aller Frühe von Concord aus Richtung Northampton aufgebrochen. Natürlich nicht, ohne davor ausgiebig im Best Western zu frühstücken (von Pancakes über Rührei bis hin zu Standardsachen wie Müsli und Obst war erstaunlicherweise alles geboten) und der Downtown der historischen Stadt einen Besuch abzustatten. Eigentlich wollten wir ja den berühmten Walden Pond besichtigen und der Hitze durch ein Bad im See entkommen - aber statt der sonnigen 35 °C vom Ankunftstag war auf einmal Regen angesagt. Also: Planänderung. Statt in die Natur sind wir dann einfach nach Foxborough bzw. Wrentham gefahren, wo wir erst den Bass Pro Shop halb leer gekauft haben (naja, nicht wirklich, aber zumindest gab es unter anderem neue Watschuhe für mich ;)), und danach in den Outlet-Shop des Wrentham Village ein paar günstige Levi's Jeans mitgenommen haben (umgerechnet vielleicht 35 Euro pro Hose). Von dort aus sind wir dann ohne weitere Umschweife nach Northampton gefahren, was sich wegen extrem starken Wochenendverkehrs und mehrerer Stauungen auf der I-90 East über ca. 2 Stunden hingezogen hat.
Gegen 16:00 waren wir dann endlich da und wurden von Kate, der Besitzerin unserer Unterkunft herzlich begrüßt.

Nach dem "Einchecken" hat uns dann noch kurz Paul, mein beruflicher Gastgeber von der UMass Amherst, besucht, und nach ein paar grundlegenden Lebensmitteleinkäufen im Walmart bzw. dem lokalen Pendant Big Y war dann auch dieser Tag wieder beendet. Interessant ist hier vor allem die Beobachung, dass Walmarts tendenziell eher ein wenig "asslig" sind und nur Billigware anbieten, während es beim Big Y fast nur lokal produzierte Produkte gibt, viele davon sogar in "organic-", also Bio-Qualität. Wir haben sofort beschlossen, in Zukunft nur noch dort einzukaufen.

Heute haben wir dann erstmal richtig schön bis ca. 7:30 ausgeschlafen (mit Baby und Jetlag ist das schon eine Leistung! ;)), und sind dann nach ausgiebigem Frühstück und ruhigem Morgen nach Norden, Richtung Shelburne Falls gefahren. Das ist nicht nur der Wohnort von Bill Cosby, sondern auch ein verschlafenes Dörfchen, das mit einer netten Innenstadt und zwei, drei Sehenswürdigkeiten aufwartet. Eine davon ist die Bridge of Flowers, eine Fußgängerbrücke über den Deerfield River, die mit unterschiedlichsten Blumen bepflanzt ist. Eine andere sind die Glacial Potholes, eine Reihe von Gumpen im Flussbett, die die letzte Eiszeit hinterlassen hat. Früher durfte man in diesen Gumpen mitten in der Stadt baden, aber seit sich ein paar Idioten beim Köppern sonstwas gebrochen und daraufhin die Stadt verklagt haben, ist der Bereich eingezäunt und das Betreten verboten... Selbstredend wusste ich das aber schon vorher, und hatte im Netz bereits einen alternativen Badeplatz ausgesucht, nämlich den "Sunburn Beach" ein paar Meilen außerhalb der Stadt, direkt am Zusammenfluss von Deerfield River und North River. Dort haben wir dann schön gepicknickt und im bacherlwarmen Fluss gebadet, was insbesondere auch der Anna sehr gut gefallen hat.

Die Bridge of Flowers über den Deerfield River in Shelburne Falls.
Der North River. 
Mittags-Picknick am "Strand". 
Baden im Deerfield River. 
Auch die Anna hat ihren Spaß. :)
Typische alte Farmhäuser in der Gegend von Shelburne Falls. 
Am fortgeschrittenen Nachmittag sind wir dann am Connecticut River entlang durch zahlreiche Tabak- und Maisfelder zurück nach Süden gefahren. Nach einem kurzen Stop im Deerfield Fly Shop, einem auf Fliegenfischer spezialisierten Anglerladen im historischen Städtchen Deerfield, haben wir uns um 16:00 wieder mit Paul getroffen, der uns eine kleine Sightseeing-Tour durch Amherst und insbesondere den Campus der Universität gegeben hat. Als Deutscher macht man sich gar keine Vorstellung von den Ausmaßen eines amerikanischen Uni-Campus - das ist wirklich wie eine eigene kleine Stadt. Auch eine kurze Tour durch das Lab, an dem ich tätig sein werde, hat uns Paul gegeben. Wirklich beeindruckend, was die dort machen. Ich freue mich schon sehr darauf, ab Montag zumindest zeitweise Teil des dortigen Teams zu sein!

Nach der Sightseeing-Tour sind wir dann zu Bub's BBQ gefahren, wo wir uns noch mit Pauls Frau Gladys getroffen haben und von den beiden zum Essen eingeladen wurden. Bub's BBQ war jedenfalls genau die Art von Lokal, die ich in den USA am meisten liebe: bodenständige, einfache, fleischhaltige Küche, kein Brimborium - aber richtig gut. Hier gehen wir definitiv noch öfter hin, vor allem, weil man auch so schön draußen sitzen kann. Zum Abschluss des Abends war es dann noch der Knüller - und ein weiterer Beweis für die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Amis -, dass Paul und Gladys organisiert haben, dass wir uns von Freunden von ihnen, die in Amherst einen Thai-Imbiss betreiben, einen Baby-Hochstuhl ausleihen können, damit wir uns keinen kaufen müssen. Jetzt haben sie halt für zwei Monate einen weniger im Lokal - und das ohne uns je zuvor gesehen zu haben... Es wird eine gute Zeit hier!

Paul, Gladys, Anna, Sandi und ich bei Bub's BBQ.

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