Dienstag, 30. August 2016

Northamptons Elm Street - alles andere als ein Alptraum!

Wer sich noch an den 1984er Horror-Klassiker "A Nightmare on Elm Street" erinnern kann, möge mir den Kalauer im Titel bitte verzeihen. ;) Jedenfalls wohnen wir in Northampton ja in der Elm Street, die gleichzeitig nicht nur als Highway MA-9 (von Boston bis nach Albany, NY) fungiert, sondern auch die Hauptstraße der Stadt ist, die sich U-förmig vom Connecticut River im Osten bis zur Stadtgrenze im Nordosten durch den ganzen Ort zieht. Wir wohnen im Bereich gleich nordöstlich der Innenstadt, wo die MA-9 als "Historic Elm Street" firmiert, weil dort, angrenzend an den ausladenden Campus des Smith College, zahlreiche historische Häuser den Straßenrand säumen. Letztendlich bedeutet das, dass die Elm Street trotz ihrer Eigenschaft als Hauptstraße eine wirklich angenehme Wohngegend ist mit großen Grundstücken, schönen Gebäuden, Fußweg, Radweg und reichlich Parkplätzen. Von einer derartigen Symbiose, die alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt und nicht nur beispielsweise Radlfahrer aus politischen Gründen begünstigt, können wir im engen München nur träumen... Ich hab mal ein paar Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Appartment photographiert, um einen Eindruck zu vermitteln:

Ein Neuengland-Klassiker: Weiß gestrichenes Holzhaus mit farblich abgesetzten Fensterläden.
Auch noch relativ klassisch, aber schon etwas verspielter, mit Säulen und Erkern. 
Gut gefallen mir Häuser mit "Front Porch", also mit überdachter Terrasse vorne raus.
Manche Häuser sind schon fast kleine Schlösschen.
Manche wirken dann doch fast wie im Horrorfilm...
...während andere eher farbenfroh daher kommen.
Auf alle Fälle ist nicht nur Northampton die perfekte Stadt zum Wohnen, sondern insbesondere auch unser Viertel der perfekte Platz in dieser Stadt. Gleichzeitig ruhig und mit ausreichend Platz, aber doch infrastrukturell bestens angebunden wohnen - das ist schon wirklich optimal! Und auch die 20-minütige Pendelei zur 10 Meilen entfernten UMass in Amherst ist da kein Problem. 


Sonntag, 28. August 2016

Cabela's - oder: Auch Männer können im Shopping-Himmel schweben

Nach dem umfangreichen Ausflugsprogramm vom Freitag, haben wir den gestrigen Samstag eher ruhig angehen lassen. Vormittags waren wir gut 3 Stunden zu dritt beim Fischen am Swift River, wo ich erstmals einen Saibling in essbarer Größe überlisten konnte. Den hat am Abend dann die Anna zum Essen gekriegt (Sandi und ich haben uns mal wieder ein ordentliches Steak gegönnt), die sich mehr als nur drüber gefreut hat und den ganzen Fisch innerhalb von Minuten richtiggehend verschlungen hat. Aber selbst gefangene Saiblinge aus so kristallklarem Wasser sind halt auch einfach eine Delikatesse der Natur.

Am heutigen Sonntag sind wir dann einmal mehr nach Hartford, Connecticut gefahren, um die dort ansässige Filiale von Cabela's zu besuchen. Die meisten werden sich jetzt fragen, was Cabela's ist: Eine 1961 gegründete Kette von Läden (insgesamt heute 82 über die USA und Kanada verteilt), deren knapp 20.000 Mitarbeiter im Jahr 3,6 Milliarden US-Dollar Umsatz machen - und zwar AUSSCHLIESSLICH mit Jagd-, Angel- und Outdoor-Zubehör, vom Stopselgewehr bis hin zum Weber-Smoker-Grill, vom Motorboot zur Schrotmunition! Größter Konkurrent sind die in einem der ersten Blogbeiträge schon erwähnten Bass Pro Shops, die sehr ähnlich aufgebaut sind, erst seit 1971 existieren, aber mittlerweile sogar etwas erfolgreicher sind (92 Läden, 4,2 Milliarden Dollar Umsatz, über 20.000 Mitarbeiter). Das (*) gibt schon ein relativ gutes Bild darüber ab, welchen Stellenwert diese Aktivitäten, die den Menschen als integralen Teil der Natur wahrnehmen und unsere Umwelt nicht nur als Kulisse für gerade in der Mode befindliche Sportarten missbrauchen, in Nordamerika haben - ein (wichtiger) Grund, warum es uns hier so gut gefällt.

Jedenfalls kann man sich als Europäer einen solchen Laden kaum vorstellen, wenn man so etwas noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Selbst ein Fisherman's Partner in Parsdorf, der wahrscheinlich einer der größten und bestsortierten Angelläden Südbayerns ist, oder ein Müller Schießzentrum in Ulm, das aus jagdlicher und schießsportlicher Sicht in Deutschland seinesgleichen sucht, sind bestenfalls ein müder Witz im Vergleich zu typischen Cabela's bzw. Bass Pro-Filialen. Während wir schon mehrere Bass Pro-Läden besucht haben (z.B. in Calgary/Alberta, Denver/Colorado oder Boston/Massachusetts), war der Hartforder Cabela's unser erster dieser Reihe. Und es sollte sich heraus stellen, dass er von allen bisher besuchten Geschäften wahrscheinlich sogar das Interessanteste ist - nirgendwo sonst gab es bisher nämlich z.B. eine eigene Ausstellung zur regionalen Fauna (fast wie ein klitzekleines Naturkundemuseum) oder sogar einen in den Laden integrierten Diner, der Wild- und Fischgerichte als Fast Food anbietet! Wir hatten jedenfalls gut 2 Stunden unseren Spaß, und ich kann behaupten, dass in einem solchen Ambiente Shopping sogar mir Freude bereitet. ;) Groß eingekauft haben wir freilich nix mehr (wir sind im Grunde weitestgehend komplett, und spannende Dinge wie Munition in Großpackungen, Tontaubenwurfmaschinen oder Jagd-Armbrüste lassen sich so schlecht nach Deutschland importieren...) - aber ein paar Bücher und Zeitschriften, T-Shirts und anderes Kleinzeug, sowie zwei Hirschburger mit Pommes haben dann doch dazu geführt, dass wir ein paar Dollar da lassen.
Die Cabela's-Filiale in East Hartford, CT.
Der Eingangsbereich. Die Läden sind immer mit professionellen Dioramen in Lebensgröße dekoriert.
Sogar ein kleines Museum über die Tierwelt des Connecticut River-Tales gibt es hier!
In der Ausstellung.
Ein Aquarium darf auch nicht fehlen!
Während die Erwachsenen shoppen, erfreuen sich die Kleinen (hier: Anna mit einem neu gewonnenen Freund, der ihr zeigt, wo sie hinschauen muss :)) an den Tierdioramen. 
Wer zwischendurch eine kleine Stärkung braucht, kann hier auf einen Bisonburger oder Enten-Wings einkehren.
Danach geht's dann auf den (Lasergewehr-)Schießstand.
Die Anna will mal Trapper werden.
Ein Teil der Gewehr-Auswahl (leider ein bischen unscharf)...
...und eins von 3 oder 4 Munitionsregalen.
Und weil wir in Hartford ja quasi schon auf halber Strecke waren, sind wir von dort aus noch "kurz" runter an die Küste von Rhode Island gefahren, um zum zweiten Mal an diesem langen Wochenende den East Beach von Watch Hill zu besuchen - zu schön war's dort einfach am Freitag. Leider war's heute nicht ganz so befriedigend, weil am Sonntag einfach nochmal wesentlich mehr los ist und allein die Parkplatzsuche entsprechend nervenaufreibend war - vom Trubel am Strand ganz zu schweigen. Für ein gutes Stünderl Rast und Abkühlung im Meer hat's aber gereicht, bevor wir uns wieder auf den Heimweg gemacht haben. Alles in allem also ein voll ausgelastetes Wochenende. Und das letzte unverplante - kommende Woche geht's ja schon nach Montreal!


(*) Nur, um das noch richtig einzuordnen ein Beispiel: Die gesamte deutsche Augenoptik-Branche hat laut Branchenbericht im Geschäftsjahr 2015 5,8 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Noch ein anderes Beispiel: Im gleichen Geschäftsjahr hat IKEA Deutschland 4,4 Milliarden Euro umgesetzt. Und Sehhilfen, Sonnenbrillen oder günstige Möbel und Einrichtungsgegenstände braucht so gut wie jeder!

Freitag, 26. August 2016

Ausflug nach Mystic, CT

Vor wenigen Minuten sind wir von einem neuerlichen Ausflug nach Connecticut zurück gekommen, zu dem wir heute morgen vor knapp 13 Stunden aufgebrochen waren. Heute ging es nach Mystic, ein kleiner 4.000-Seelen-Ort, der an der Mündung des Mystic River in den Atlantik liegt. Bekannt ist Mystic vor allem für den Mystic Seaport, ein Freilichtmuseum zur Seefahrt-Geschichte Neuenglands, das - ähnlich wie im Glentleiten-Museum bei Garmisch - alte Häuser, die andernorts abgetragen wurden, wieder aufgebaut und zusätzlich einige historische Schiffe im Museumshafen liegen hat. Wegen dieser wichtigen Sehenswürdigkeit hat sich in Mystic eine ansehnliche touristische Infrastruktur entwickelt. So gib es dort außerdem noch das Mystic Aquarium, sowie das Olde Mistick Village, wieder mal eins der hierzulande so beliebten Shopping-Villages. Und zuguter letzt hat sich auch das Ortszentrum, dass sich beiderseits des Mystic Rivers erstreckt, herausgeputzt und steht als nettes neuenglisches Küstenstädtchen mit zahlreichen Restaurants und Cafes da.

Uns ging's erstmal um das Aquarium, weil die Anna sich schon im Alter von gut 3 Monaten während unserer DDR-Rundreise an den Fischen im Stralsunder Ozeaneum bzw. im Warener Müritzeum erfreut hat. Aber weil's die Eintrittskarten zum Aquarium im Paket mit Tickets zum Seaport etwas "günstiger" gab (der Preis für 2 Erwachene lag dann immer noch bei etwas über stolzen 100 Dollar!), haben wir den auch noch mitgenommen. Um ca. 10:00 waren wir beim Aquarium angekommen, wo für einen Freitag schon ziemlich viel los war - sind eben noch die letzten Züge der Sommerferien, und New York City mit seinen 22 Millionen Einwohnern im Ballungsraum ist auch nicht weit... Bis ca. 12:00 hat uns das Aquarium dann recht nett unterhalten. Die Anna war insbesondere fasziniert von den Stachelrochen, die man sogar füttern und streicheln durfte, aber auch von den bunten Fischen und den riesigen Seelöwen, bei deren Fütterung wir zugeschaut haben. Sicher nicht das beste Aquarium, in dem wir je waren (die oben genannten deutschen Aquarien oder das in Atlanta sind da schon wesentlich besser), aber ein netter, kindgerechter Zeitvertreib.

Anna streichelt einen Stachelrochen.
Fische sind einfach faszinierend.
Danach ging's dann 5 Minuten mit dem Auto weiter zum Seaport, wobei wir auf dem Weg noch kurz bei einem Seafood-Imbiss am Straßenrand halt gemacht hatten, wo wir frittierte Muscheln mit Pommes gegessen haben. Als wir dann am Seaport angekommen waren, hatte sich der Tag voll entwickelt und es war mittlerweile wieder richtig heiß und schwül geworden - irgendwie mag sich uns das Wetter in Connecticut bisher nicht von seiner lieblichen Seite zeigen. ;) Trotzdem haben wir uns das große Gelände mit Interesse angeschaut, auch ein paar der historischen Häuser und eins der ausgestellten Schiffe besichtigt. Highlight war aber sicher die Ausstellung über Walfang in einem der Museumsgebäude. Ich finde Walfang wirklich äußerst faszinierend, ohne ihn damit jetzt als positiv bewerten zu wollen. Aber das müssen schon Abenteuer gewesen sein, wenn man als Walfänger mehrere Jahre(!) mit dem Schiff unterwegs war und in aller Herren Länder (die Schiffe sind schon um 1850 bis Vladiwostok, in den Kongo oder nach Neuseeland gekommen!) Zwischenstopps eingelegt hat, bis der Laderaum endlich voll mit Walöl war. Unvorstellbar!

Ein bisschen Spaß muss sein. ;)
Wir lassen uns den historischen Kramerladen erklären.
Die Charles W. Morgan - das letzte Schiff der amerikanischen Walfangflotte. 1841 gebaut und immer noch seetüchtig!
Irgendwann war dann aber die Luft raus, und am Ende sind solche Museumsdörfer auch immer relativ ähnlich, so dass wir uns entschlossen haben, lieber noch Downtown Mystic anzuschauen - zu Fuß etwa 10 Minuten vom Seaport weg. Dort haben wir dann erstmal ein paar Minuten an der Klappbrücke über den Mystic River warten müssen. Die macht einmal pro Stunde für ca. 10 Minuten auf, damit größere Schiffe hin und her fahren können - und wir mussten natürlich genau in diesem Zeitslot dort aufschlagen... Dann haben wir uns noch einen Eiskaffee geholt und im Schatten ein bisschen dem Treiben an der Brücke (die gleichzeitig das Ortszentrum darstellt) zugeschaut, während die Anna ein kleines Erschöpfungsschläfchen gehalten hat. 

Schiffsverkehr auf dem Mystic River im Zentrum des gleichnamigen Ortes.
Die Klappbrücke im Ortszentrum. Einmal pro Stunde wird aufgemacht.
Mit Blick auf Ortszentrum und Brücke haben wir dann unsere Rast genossen.
Gegen 16:00 war's dann endgültig genug, zuviel Hitze, zuviel Schwitzen - wir müssen an den Strand! Glücklicherweise ist ein Strand, der uns von unserer Vermieterin Kate empfohlen wurde, nur 20 Minuten von Mystic entfernt. Bei diesem Strand handelt es sich um den East Beach von Watch Hill, ein überaus mondäner Badeort, der quasi nur aus riesigen viktorianischen Villen besteht - eine der bekannteren Bewohnerinnen ist wohl Taylor Swift (ohne, dass ich jetzt weiß, wer das genau ist...). Das Coole ist aber: Obwohl die Gegend so exklusiv ist, kann man bis zu 2 Stunden kostenlos im Ort parken, und auch der Strand ist öffentlich und vollkommen kostenfrei (also kein State Park und auch kein kommerzieller Privatstrand oder ähnliches). Und, was soll man sagen? Das war definitiv einer der schönsten Strände, die wir an der Ostküste bis jetzt gesehen haben, und das Wasser war quasi perfekt (vielleicht 20-22 °C, nicht zu warm, nicht zu kalt) und trotz relativ starkem Wellengang glasklar und blau. Tatsächlich viel schöner als im Hammonasset State Beach vor kurzem. Auch der Sand war nicht ganz so fein, sondern perfekt gekörnt - und weil es zwar warm, aber relativ bewölkt war, war er auch nicht zu heiß. Einfach angenehm, was am Ende sogar die Anna mit dem Thema "Strand" versöhnt hat. Am Ende wollte sie gar nicht mehr aufhören, herumzulaufen, und auch die Angst vor der Brandung hat relativ stark abgenommen. :)

Der unscheinbare Eingang zum East Beach von Watch Hill.
Anna hat sich kurz im Wasser erfrischt und checkt jetzt die Lage.
Gleich wieder zurück zum Meer!
Strandidylle mit Leuchtturm.
Das Haus von Taylor Swift.
Das Ocean House, ein Fünf-Sterne-Diamant-Hotel, und das beste Hotel von Rhode Island.
Gegen 18:00 war's dann genug, und wir haben uns auf den 2-stündigen Heimweg gemacht. Auf dem Weg noch kurz ein Stop by Wendy's (was anderes ist leider nicht mehr hergegangen), gegen 19:30 ist die Anna eingeschlafen, und gegen 21:00 waren wir dann nach einem tollen, abwechslungsreichen Tag wieder daheim.

Mittwoch, 24. August 2016

Geschichten aus dem Alltag: Lebensmittel

Endlich habe ich mal daran gedacht, zum alltäglichen Einkaufen den Fotoapparat mitzunehmen, denn mein Telefon macht mir keine zufrieden stellenden Fotos mehr. Jeden Tag gehe ich hier natürlich nicht einkaufen - erstens hat der Michi ja meistens das Auto, um in die Arbeit zu kommen, und zweitens sind die Mengen die man hier einkaufen kann, einfach für mehrere Tage völlig ausreichend.
Wer meint, hier gibt es nur Chlorhendl und Genmais, der wird schnell eines Besseren belehrt. Wie meistens: Wenn die Amis was machen, dann gleich gescheit und groß! Ein super Beispiel ist der Supermarkt, in dem ich am liebsten einkaufe, der Whole Foods in Hadley. Das ist ein (natürlich) riesiger Laden in dem vorwiegend organic (also Bio) Sachen verkauft werden. Was ich super finde: Dort bekommt man vorwiegend lokale Produkte und es gilt nicht nur "Hauptsache Bio", egal ob der Apfel dafür aus Neuseeland anreisen muss. Hier mal ein paar Eindrücke:
Die Gemüseabteilung ist allein so groß wie der halbe Furti (der Anzinger Edeka).
Wie schon gesagt, alles Bio und meistens lokal angebaut.
Die Weinabteilung kann sich auch sehen lassen.
Home sweet Home.

Hier in Northampton selber gehen wir am liebsten zum Big Y. Das ist ein eher lokale Kette, es gibt auch eine super Auswahl. Das Besondere an dem hier ist, dass dieser mit der UMass-Farm zusammen arbeitet und auch deren Gemüse dort verkauft.
Eingang.
Alles lokales frisches Gemüse. :)
Eines mir ziemlich schnell klar geworden hier: Würde ich dauerhaft hier leben, würde ich ziemlich faul werden. Warum?

1. Insbesondere Lebensmittel Geschäfte haben hier 7 Tage geöffnet.

Nicht, dass ich mir das für zu Hause unbedingt wünschen würde, aber zugegeben, es ist schon ziemlich angenehm, ohne jeden Stress, an einem Sonntag Nachmittag nach einem Ausflug noch schön mit der Familie seinen Wocheneinkauf zu erledigen, sich in aller Ruhe das super Steak für den Abend auszusuchen und fertig.

2. Die Menge machts

Als nach meinem ersten Einkauf mit den typischen Grundzutaten, die man eben immer im Haus haben mag (Milch, Eier, Brot, Obst etc.) der netter Kassierer ca. 50 Dollar von mir haben wollte, dachte ich erstmal - ok, bin ich hier in Schweden? Dann ist mir aber aufgefallen, welche Mengen man hier normal kauft. Butter wird z.B. 450g-weise verkauft, genau so habe ich schnell die Vorzüge festgestellt nur noch einmal in der Woche frische Milch kaufen zu müssen. Warum? Es gibt sie in der Regel gallonenweise (3,8 Liter).

3. Fertiges Essen ist nicht viel teurer als selbst zu kochen

Und das ist der wichtigste Punkt. Gleich am ersten Tag hier, als wir mit Paul und Gladys beim Essen waren, hat mich Paul gefragt ob ich selber koche. Ich dachte nur, ja klar natürlich, außerdem mache ich das sehr gerne und behaupte mal, dass ich das auch ganz gut hinbekomme. Ich fand die Frage deswegen interessant und sie ist mir auch nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Jetzt nach einigen Wochen hier verstehe ich auch wieso. Man muss hier einfach nicht selber kochen. Jeder Supermarkt bietet supergute Frischetheken an, vom Salat zur Suppe, Hauptessen und und und, alles ist frisch, heiß und wirklich gut! Das Interessante ist aber, dass das Essen wirklich nicht viel teurer ist, als wenn ich es selber kochen würde. Und mittlerweile greife ich auch gern mal auf so ein Angebot zurück - heute gabs zum Mittagessen für Anna und mich zum Beispiel richtig guten Corn Chowder.
Und da gibt es noch einige andere Sachen auf die ich mich noch freue, sie zu verkosten. :)

Montag, 22. August 2016

UMass Campus, die zweite

Brutal, wie schnell die Zeit vergeht - mittlerweile sind wir schon fast 4 Wochen hier... Und obwohl es nach wie vor super ist hier und wir jeden Tag genießen, gestehe ich, dass ich mich schon auch wieder auf die Heimat freue, auf Familie, Freunde und Bekannte, aber auch auf z.B. das Fischen an Sempt und Moosach. ;)
Nicht ganz so freue ich mich auf die Arbeit daheim, wenn die Drehzahl wieder mächtig erhöht wird und die ganzen nervigen Alltagsprobleme zurück kehren, vor denen ich gerade weitestgehend (leider nicht ganz, es gibt ja Emails...) meine Ruhe habe. Auch freue ich mich nicht auf die alltäglichen Staus in der Münchner Rush-Hour, und eben sowenig auf das TUM-Stammgelände mit seinen Uralt-Büros ohne Klimaanlage. Und am allerwenigsten freue ich mich auf das Mittagessen während der Arbeitswoche, egal ob in der Mensa oder in den Billiglokalen mit ihren Mittagsgerichten im Uni-Viertel. Zu komfortabel ist hier einfach das Essensangebot von der UMass, über das es sogar eine eigene Internetseite gibt (www.umassdining.com) und das wohl schon mehrfach preisgekrönt wurde. Dabei kenne ich noch gar nicht die normalen Studentenmensen, sondern gehe jeden Tag nur die 2 Minuten vor ins Campus Center, wo ich jeden Tag ohne Anstehen - und in weitaus ruhigerer und angenehmerer Atmosphäre als in München - eine andere Köstlichkeit genieße. Heute war's z.B. ein Pulled Pork-Burger mit Blaukraut und Gitterkartoffeln, an anderen Tagen gab's auch schon indisch, chinesisch, thailändisch oder Pizza. Dazu natürlich immer All-you-can-drink (Wasser für umsonst, Softdrinks für 1,50 Dollar Aufpreis). Und das Ganze wie gesagt nur wenige Meter vom Büro entfernt, wobei der Weg über das parkähnliche Campus-Gelände verläuft. Ein ganz anderes Wohlfühl-Gefühl, als in der Maxvorstadt, auch wenn natürlich die Innenstadtlage der TUM auch ihre Vorzüge hat. Und ich bin freilich auch gespannt, wie es hier zugehen wird, wenn ab 6. September das Herbstsemester beginnt. Ich werde auf jeden Fall berichten.

Pulled Pork-Burger mit Blaukraut und Gitterkartoffeln, dazu eine Salzgurke.
Die "Cafeteria" im Campus Center, wo ich jeden Tag mittagesse.
Schon jetzt wird alles für die Rückkehr der Studenten vorbereitet.
Der Campus mit Bibliothekshochhaus im Licht eines späten Nachmittags.

Sonntag, 21. August 2016

Road Trip durch die Berkshires

Für dieses Wochenende hatten wir uns vorgenommen, einen Road Trip durch die Berkshires zu unternehmen. Das ist ein Höhenzug (von Gebirge mag ich da gar nicht unbedingt reden), der sich etwa von Northampton westlich bis an die Grenze zum Staat New York hin zieht. Wir wollten vor allem dorthin, weil es im kleinen Städtchen Lee ein Shopping Outlet gibt, und haben uns dann gedacht, dass wir das ganze in eine kleine Rundtour verwandeln, wo wir mehrere sehenswürdige Stopps einbauen und auch den äußersten Westen von Massachusetts kennen lernen können. Das war dann letztlich der Plan:
Die Route des Berkshire Road-Trips.
Da die Anna an diesem Samstag schon um 6:00 putzmunter war, konnten wir uns in aller Ruhe fertig machen und frühstücken und dann irgendwann kurz vor 9:00 losfahren. Erster Stop: Lee Premium Outlets, ein typisch amerikanisches Outlet-Center, wie wir es mittlerweile auch in Deutschland immer öfter haben (vgl. Ingolstadt Village). Nicht ganz so groß wie die Wrentham Outlets südwestlich von Boston, die wir ja am Tag nach der Ankunft und in früheren Urlauben schon besucht haben, aber dafür irgendwie "netter" und auch mit vielen kinderfreundlichen Angeboten. Und die Levi's-Jeans für 40 Dollar kriegt man da genauso.
In den Lee Premium Outlets.
Auch die Anna shoppt schon fleißig mit.
Nachdem ich mir dann zwei paar neue Adidas-Sneakers für zusammen 90 Dollar gekauft habe (ich bin ja extra nur mit einem paar Schuhe angereist...) und wir noch ein paar Anziehsachen für die Anna gekauft haben, sind wir auch schon wieder weiter in den Nachbarort Lenox gefahren. Neben Great Barrington und Stockbridge ist das (laut Lonely Planet) eine der sehenswerten Kleinstädte der Berkshires, die jedes Wochenende von unzähligen Touristen aus New York City heimgesucht werden. So in der Art war's dann auch: Eine Galerie nach der anderen, viele Restaurants, die meisten aber relativ "fancy" - und mehr Autos mit New Yorker Nummernschild als Autos aus Massachusetts. Und auch das Publikum eher in Richtung überkandidelt. Wir haben uns gedacht: New Yorker und Münchner haben durchaus was gemeinsam - nicht nur wegen der hohen BMW-Dichte, die uns ebenfalls aufgefallen ist... Wir haben zum Glück trotzdem ein tolles Restaurant, eigentlich eher einen Pub, gefunden, der bodenständige Speisen zu vernünftigen Preisen angeboten hat - die Old Heritage Tavern. Als besonderes Schmankerl konnten wir sogar einen Schattenplatz im "Wirtsgarten" ergattern, wo es sich super aushalten ließ und wir schön Leute beobachten konnten. Das Essen war wirklich sehr gut: Für mich gab's eine Lobster Roll (also ein Brot, gefüllt mit kleingeschnittenem und angemachtem Hummerfilet) mit Chips und Cole Slaw und für die Sandi einen Lachsburger mit Süßkartoffelpommes. Mjamjam!

Im Hintergrund der "Wirtsgarten" von der Old Heritage Tavern.
Lobster Roll mit Chips - ein Traum!
So gestärkt, konnten wir, ohne unseren Aufenthalt in Lenox unnötig in die Länge zu ziehen, unseren Road Trip fortsetzen. Nächster Stop war der Gipfel des Mount Greylock, seines Zeichens nicht nur der höchste Gipfel in den Berkshires, sondern sogar von ganz Massachusetts. Dass er nur 3.491 Fuß (also 1.064 Meter) hoch ist, sagt einiges über die "Berge" von Massachusetts aus - ist halt eher wie im Bayerischen Wald, als wie in den Alpen. Typisch amerikanisch ist es aber, dass man - natürlich - mit dem Auto bis auf den Gipfel hinauf fahren kann, was wir selbstverständlich auch gemacht haben. Dort oben hat man dann nicht nur eine super Aussicht, die an guten Tagen bis zu 90 Meilen weit und über 3 Staaten hinweg reichen kann, sondern auch die Möglichkeit, in der Bascom Lodge zu essen, einen Kaffee zu trinken oder gar zu übernachten. Übernachten tun dort allerdings in erster Linie Wanderer, die den Appalachian Trail, einen der berühmtesten Fernwanderwege der USA, gehen. Der geht nämlich auch exakt über den Gipfel des Mt. Greylock! Und so haben wir es uns nicht nehmen lassen, ein paar Meter auf dem Appalachian Trail entlang zu gehen und entsprechende Poser-Photos zu schießen. ;) 
Panoramablick vom Mt. Greylock.
Für die, denen das nicht so bewusst ist: Fernwandern ist in den USA ein Riesending, das vermutlich noch wesentlich weiter verbreitet ist bzw. mehr Anhänger hat, als z.B. der Jakobsweg in Europa. Und der Appalachian Trail ist da ganz vorne dabei. Es gibt sogar einen Roman drüber, nämlich "Picknick mit Bären" von Bill Bryson, der vor kurzem auch mit Nick Nolte und Robert Redford in den Hauptrollen verfilmt wurde. 

Die Anna wandert lieber den Appalachian Trail entlang, als für ein Photo zu posieren.
Dafür schaut sie hier patriotisch wie der Ronald Reagan. ;)
Für die Wanderer geht es vom Mt. Greylock aus noch ca. 400 Meilen weiter nach Nordosten durch Vermont, New Hampshire und Maine, bevor sie auf dem Gipfel des Mt. Katahdin nach 2.200 Meilen endlich ihr Ziel erreicht haben. Für uns aber ging es - sicher etwas komfortabler - mit dem Auto wieder hinunter ins Tal an den Oberlauf des jetzt schon öfter erwähnten Deerfield River, direkt unterhalb des Fife Brook-Staudamms. Weil wir schon in der Gegend waren, wollte ich ein paar Würfe mit der Fliegenrute machen, in der Hoffnung, wenigstens in dem kühlen Wasser, das da gerade frisch aus dem Staudamm kommt, mal Erfolg zu haben. Auch hier war es leider wieder nix, also weg mit der Fliegenrute und raus mit der Badehose. Die kurze Erfrischung hat nach der ganzen (kurvigen) Fahrerei richtig gut getan! 

Was für eine Schleife! Gebissen hat trotzdem nix. :(
Mittlerweile war es dann auch schon 18:00, so dass wir beschlossen haben, langsam die Heimreise anzutreten. Also sind wir dem Mohawk Trail gefolgt, einer der ersten Scenic Routes der USA (1914 ins Leben gerufen). Scenic Routes sind landschaftlich besonders reizvolle Strecken, die sich in besonderem Maß für Road Trips eignen. So ein bisschen, wie die Deutsche Alpenstraße vielleicht. Der Mohawk Trail zieht sich quasi bis zum Connecticut River (und bis zum Freeway) am Deerfield River entlang durch eine ruhige, ländliche Gegend, die vor allem von Indianer-Souvenir-Läden, Ahornsirup-Ständen und Wildwasser-Angeboten lebt. Ist aber wirklich nett entlang zu fahren. In Greenfield, am Ende des Mohawk Trail, haben wir dann noch schnell bei Wendy's zu Abend gegessen - nach mehr als 3 Wochen tatsächlich das erste Mal klassisches Burger-Fast Food! Aber die Wendy's-Burger sind auch wirklich super, kein Vergleich mit McDonalds. Um Punkt 20:00 waren wir dann, nach einem geruhsamen, aber abwechslungsreichen Tag wieder daheim. 

Ach ja: Eins der Highlights habe ich noch gar nicht erwähnt, und leider ging's auch zu schnell, um es auf Photo festzuhalten: Auf dem ersten Streckenabschnitt von Northampton nach Lee haben wir zum ersten Mal wilde Truthähne gesehen, die die Straße überquert haben! :)