Sonntag, 25. September 2016

Ausflug zum Old Sturbridge Village

Schon seit kurz nach unserer Ankunft war klar: Am Sonntag, den 25.09. fahren wir nach Sturbridge, eine knapp 10.000 Einwohner zählende Kleinstadt, gelegen irgendwo zwischen Northampton und Boston. Warum? Weil dort die Big MOE statt finden sollte - die Massachusetts Outdoor Exposition. Dabei handelt es sich um eine seit genau 20 Jahren existierende Outdoor-Messe, die vor allem Kindern die Natur und das Leben in und mit ihr näher bringen soll. So gibt es dort üblicherweise Stände, an denen junge und alte Interessenten lernen können, wie man Vogelhäuser baut, wie man Tomahawks wirft, wie man ein Zelt aufbaut, wie man mit Spinn- und Fliegenrute angelt, wie man geocacht oder wie Wildfleisch schmeckt. Und es wäre nicht Amerika, wenn es nicht auch mehrere Schießstände gäbe, wo man vom Jagdbogen über Luft- und Kleinkalibergewehre bis hin zur Schrotflinte (auf Tontauben) verschiedenste auf der Jagd verwendbare Schusswaffen probeschießen könnte - eine verpflichtende Sicherheitseinweisung natürlich vorausgesetzt. Und das Beste: Weil es bei der Big Moe wirklich um Idealismus geht, darum die nächste Generation fürs Outdoor-Leben zu begeistern, ist das alles vollkommen kostenlos.

So toll das alles klingt - Satz mit X, das war wohl nix. Als ich mir gestern die Wegbeschreibung im Netz anschauen wollte, stand auf der Homepage der Veranstaltung nur "2016 Massachusetts Outdoor Exposition Sunday September 25th, 2016 Has Been Cancelled." Grund dafür ist wohl, dass die ehrenamtlichen Veranstalter Probleme hatten, eine Haftpflichtversicherung für die Mitarbeiter des Events zu finden, die auch wirklich jede Eventualität abgedeckt hätte. So ein Mist - seit Monaten hatte ich mich auf dieses uramerikanische Erlebnis gefreut. :(

Aber irgendwas muss man mit seinem letzten Sonntag ja anfangen... Und zufälligerweise beherbergt Sturbridge nicht nur die einmal im Jahr die Big Moe, sondern dauerhaft eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Neuenglands: das Freilichtmuseum Old Sturbridge Village. Wie schon das von der Sandi beschriebene Hancock Shaker Village ist auch Old Sturbridge Village vergleichbar mit unserem Glentleiten-Museum, wobei das OSV, wie es die Amis nennen, freilich wesentlich größer ist, als das Shaker-Dorf. Motiv des OSV ist es, ein typisch neuenglisches Dorf aus den 1830er Jahren nachzumodellieren. Das wird sogar von angestellten Schauspielern unterstützt, die in den einzelnen Häusern den Besuchern das damalige Leben vorleben bzw. relativ realistisch ihrem Tagwerk nachgehen. Als Fans solcher Museen hat es uns jedenfalls sehr gefallen, und ich persönlich fand es sogar besser als den Mystic Seaport und auf jeden Fall mindestens so gut wie Glentleiten. Gut 4 Stunden sind wir durch das Dorf geschlendert und haben sicher nicht alles angeschaut bzw. nicht jede mögliche Vorführung mitgenommen. Das hat diesen letzten Ausflugstag auf jeden Fall einwandfrei gerettet, vor allem weil auch das Wetter wie gestern schon durch ein angenehmes Herbsthoch geprägt war. 
Der Hauptplatz mit Kirche und Postkutsche ist nur ein kleiner Teil des Museums.
Überall führen Schauspieler ihr Tagwerk vor. Und die Viecher sind meist sogar zurück gezüchtete alte Rassen.
Teilweise darf man in den Häusern sogar berühren und ausprobieren. Sandi testet das mit Stoh gefüllte Bett.
Die Anna hat mehr Spaß im Garten.
Besonders spannend: Live-Vorführung einer Muskete, wie sie die damaligen Milizionäre alle führen mussten.
Und so sahen Brillen vor gut 250 Jahren aus.
Ab jetzt läuft quasi der Countdown. Noch 3 normale Tage, dann beginnt die Heimreise - mit lachendem, definitiv aber auch weinendem Auge...

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