Mittwoch, 14. September 2016

Rafting auf dem Deerfield River

Heute konnte ich endlich einen lange gehegten Wunsch in die Tat umsetzen: Raften gehen! Normalerweise bleibt mir das verwehrt - auf Rundreisen häufig aus Zeitgründen, aber zudem, weil ich in der Sandi dafür keinen Verbündeten finde. Glücklicherweise konnte ich aber meinen Vater und meinen Bruder davon überzeugen, dass eine Rafting-Tour auf dem Deerfield River eine großartige Möglichkeit sein könnte, die Natur des westlichen Massachusetts mal von einer nicht alltäglichen Perspektive aus kennen zu lernen und gleichzeitig vielleicht noch ein bisschen Action abzukriegen. Der Deerfield ist nämlich hierzulande überregional bekannt - nicht nur als gutes Angelgewässer (ich habe ja schon mehrfach davon berichtet), sondern auch als ideales Gewässer für allerlei wassersportliche Aktivitäten von Kayakfahren bis Rafting. Dafür gibt es - neben der landschaftlichen Schönheit - zwei Hauptgründe: Erstens wird der am oberen Ende des Flusses gelegene Staudamm von dem betreibenden Elektrizitätswerk in der Regel jeden Vormittag geöffnet, was den Abfluss des Deerfield von etwa 130 cfs (cubic feet per second, etwa 3.700 Liter pro Sekunde) auf - je nach Saison - etwa 1.000 cfs (etwa 28.000 Liter pro Sekunde) erhöht und eine Art Flutwelle durch das Flusstal laufen lässt. Zum anderen gibt es den Zoar Gap, eine Engstelle, die als Wildwasser der Klasse III gewertet ist und angeblich auch von internationalen Kayak-Profis regelmäßig als Übungsstrecke genutzt wird.
Da nun für heute nochmal sommerlich warmes Wetter mit Temperaturen an die 30 °C angekündigt war, haben wir uns kurzerhand eingebucht. 70 Doller pro Nase, Beginn 10:30, Ende 16:30, Mittagessen inklusive. Als wir bei der auf Erlebnisaktivitäten spezialisierten Firma Zoar Outdoor ankamen, hatte ich schon eine gewisse, positive Vorahnung. Und tatsächlich: Wir sollten an diesem Tag die einzigen Kunden sein - wochenends werden regelmäßig Rafting-Trips mit bis zu 130(!) Teilnehmern auf ca. 20 Schlauchbooten absolviert, die dann im Konvoi fahren und beim Mittagspicknick alle gleichzeitig abgefertigt werden. Mit Naturerlebnis hat das dann aus meiner Sicht nix mehr zu tun - also waren wir schon mehr als froh über diesen glücklichen Zufall. Unser Guide Boyd hat uns kurz eingewiesen, dann ging es per Mini-Van zum Fife Brook-Staudamm, wo unsere 10-Meilen lange Tour beginnen sollte. Bis auf den erwähnten Zoar Gap mit Klasse III war der Rest als Klasse I bis II und somit als besonders anfängertauglich angegeben. Entsprechend ruhig war der Großteil der Fahrt auch: In weiten Teilen glich es eher einer ruhigen Sightseeing-Floßfahrt, und nur gelegentlich wurde man daran erinnert, dass es sich eigentlich um Wildwasser-Rafting gehandelt hat. Trotzdem war es eine schöne Tour, weil einmal die Flusslandschaft wirklich schön ist, und weil zum anderen Boyd ein äußerst gesprächiger Kerl war, mit dem wir uns über Gott und die Welt, über Rafting, Fischen, Jagen, das Landleben in Massachusetts, amerikanische Politik, über's Reisen und vieles andere mehr unterhalten haben.
Recht "witzig" war allerdings das Wetter: Mehr als 25 °C war es heute nämlich mit Sicherheit nicht warm. Und zwischendurch sind auch noch ordentlich Wolken aufgezogen, die sich einmal auch für ein paar Minuten in dicken Regentropfen über uns ergossen haben - damit waren wir dann wenigstens von unten und von oben nass...
Alles in allem aber eine schöne Aktion, die in mir die Lust geweckt hat, auch mal richtig raften zu gehen - oder eine Fliegengerte mitzunehmen und das Ganze als Float Trip zu betrachten, der einen an Angelplätze bringt, die man von der Straße aus nie erreichen würde.

Unsere kleine Raftinggruppe auf dem Weg zum Zoar Gap.
Mitten drin im Wildwasser.
Weil wir heute als einzige Gruppe unterwegs waren und damit eine Menge Zeit gespart haben, die normalerweise anfällt, wenn über 100 Rafter angetrieben werden müssen, waren wir dann schon um kurz nach 15:00 wieder an der Basis von Zoar Outdoor. Um den Nachmittag noch zu nutzen, sind wir wieder zum Sunburn Beach nördlich von Shelburne Falls gefahren, den wir schon an unserem ersten Wochenende besucht hatten. Dort sind wir dann nochmal ins angenehm kühle Wasser (ich schätze es auf 18 °C) der Gumpen des Deerfield River gesprungen und haben diesen schönen Tag ausklingen lassen.
Zum Ausklang noch ein Bad im Deerfield River.

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