Montag - Driving "the Kanc"
Endlich die White Mountains! Schon bei unserer letzten Reise durch Ostkanada und Neuengland waren die
White Mountains in New Hampshire mein persönliches Highlight. Gründe dafür gibt es viele: Zum Beispiel handelt es sich bei den White Mountains um den beinahe nördlichsten Teil der gesamten Appalachen-Kette, wobei sich mit dem knapp 2.000 Meter hohen Mount Washington auch der höchste Berg der nordöstlichen USA dort befindet. Für süddeutsche Alpinisten, die die Höhen der Berge Tirols und der Schweiz gewohnt sind, mögen 2.000 Meter jetzt eher lächerlich klingen - aber die Alpen beginnen aus deutscher Sicht ja auch erst bei 500-600 Meter, während im Grunde gleich östlich der White Mountains der Atlantik wartet. Dementsprechend würde ich den Charakter dieser Gebirgsregion irgendwo zwischen "sehr hohes, sehr alpines Mittelgebirge" oder als "niedriges Hochgebirge" einstufen. Ein Großteil der White Mountains wird dann auch noch als
White Mountain National Forest verwaltet, ein mehr als 300.000 Hektar großes Schutzgebiet, das vom Prinzip her irgendwo zwischen Staatsforst und Nationalpark angesiedelt ist und zahlreiche Wanderwege, Wildniscampingplätze, Jagd- und Angelmöglichkeiten aufweist. Nur mal zum Vergleich: Der Nationalpark Bayerischer Wald ist weniger als 25.000 Hektar groß... Für Natur- und Outdoor-Freunde also ein echtes, in Europa kaum bekanntes Paradies. Ein weiterer Grund, warum es mir dort so gut gefällt, ist die Lage im Staat New Hampshire. Der hat nicht nur das mit Abstand coolste Staatsmotto ("Live free or die"), sondern zieht allgemein ein freiheitlich orientiertes Klientel an. Es ist beispielsweise einer der wenigen Staaten, in denen Erwachsene nicht verpflichtet sind, sich im Auto anzuschnallen. Helmpflicht für Motorradfahrer gibt es freilich auch nicht. Ebenso wenig wie eine Mehrwertsteuer oder eine Einkommenssteuer (außer für Zinsen und Dividenden). Nicht zuletzt deshalb haben einige Verrückte das
Free State Project ins Leben gerufen, mit dem Ziel, dass so viele Libertäre wie möglich nach New Hampshire umziehen, um dort durch Wahlen eine möglichst minimalistische Regierung zu realisieren. Mittlerweile haben schon 20.000 Teilnehmer unterschrieben.
Aber genug der Theorie: Wir sind eben heute von Stowe nach North Conway gefahren, einer der wenigen größeren Orte in den White Mountains, und wohl auch so ziemlich das touristische Zentrum. Ein wichtiger Teil dieser Route war der berühmte
Kancagamus Highway, eine der landschaftlich schönsten Straßen in Neuengland. Dort haben wir in wunderschöner Naturkulisse gepicknickt, haben in den Gumpen eines nur 13 °C "warmen" Wildflusses gebadet, einen Wasserfall besichtigt und mehrfach tolle Ausblicke genossen. Am Abend haben wir dann Quartier in einem wunderschönen Motel mit Pool und Feuerstelle in North Conway bezogen. North Conway ist neben Lincoln das einzige größere touristische Zentrum in den White Mountains und bietet neben zahlreichen Unterkünften und Restaurants eine nette kleine Innenstadt mit dem wirklich coolen
Zeb's General Store und einem Bahnhof für Fahrten mit dem lokalen, hauptsächlich touristisch genutzten Zug. Mit einem schönen T-Bone-Steak im direkt neben dem Hotel gelegenen Steaklokal fand dieser schöne Tag ein Ende.
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| Picknick mit Bären. ;) |
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| Erfrischendes Bad im Gebirgsbach. |
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| Eines der vielen tollen Panoramen, die sich bei der Fahrt über den Kancamagus Highway bieten. |
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| Die Sabbaday Falls. |
Dienstag - White Mountains
Für heute war komplett Sightseeing in den White Mountains angesagt. Zuallererst heißt das mal, den Gipfel des Mount Washington zu besuchen. Das kann auf zwei verschiedene Arten geschehen: Vom westlich des Berg gelegenen Tals kann man für gut 70 Dollar pro Person(!) mit der
Mount Washington Cog Railway, einer historischen Zahnradbahn, auf den Gipfel fahren. Und vom östlich des Bergs gelegenen Tal aus kann man - ganz amerikanisch! - über die
Mount Washington Auto Road mit dem Auto hinauf düsen! Da das mit ca. 30 Dollar pro Auto wesentlich preisgünstiger und auf jeden Fall flexibler ist, haben wir uns für diese Variante entschieden. Auch wenn der Berg an dem Tag (wie an ca. 320 weiteren Tagen im Jahr!) ganz im Wolkennebel gelegen ist, war dieser Ausflug für alle Beteiligten ein tolles Erlebnis. Es ist einfach wirklich unglaublich, wie hochalpin dieser 1917 m hohe Berg im Gegensatz zu den gleich hohen Bergen in den Alpen wirkt. Angeblich werden dort oben sogar neue Ausrüstungsgegenstände von Outdoor-Herstellern getestet, nach dem Motto: "When it survives Mount Washington, it survives everything."
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| Der Ausblick während der Bergfahrt. |
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| Auf dem Gipfel war's wirklich frisch. |
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| Die Mt. Washington Auto Road bei der Talfahrt. |
Nach dem Bergausflug haben wir uns dann in zwei Gruppen aufgetrennt. Meine Eltern sind nach Bretton Woods, um das dortige, altehrwürdige Grand Hotel zu besichtigen, während wir mit meinem Bruder nach North Conway zurück sind, um dort den
Echo Lake State Park zu besuchen und ein wenig im Echo Lake zu baden. Dank der Tatsache, dass es sich um den ersten Tag der Nachsaison handelte, hatten wir den See quasi komplett für uns allein. Supercoole Stimmung, glasklares Wasser und goldgelber Sandstrand - wirklich ein schönes Erlebnis mitten in der Bergwelt New Hampshires.
Danach Hotelpool, Abendessen und Wein - das übliche Programm... ;)
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| Bad im Echo Lake. |
Mittwoch - Jetzt geht's an die Küste
Von North Conway aus ging es jetzt endlich an die Küste Neuenglands, und zwar nach Maine. In einer knapp zweistündigen Fahrt über teils menschenleere Nebenstraßen sind wir zu unserem ersten Zwischenstopp, nach Freeport, Maine, gefahren. Das ist ein kleiner Ort mit knapp 8.000 Einwohnern, der im Grunde ein einziges Shopping-Center ist. Und warum ist das so? Weil ein gewisser Leon Leonwood Bean dort 1912 ein Geschäft eröffnet hat, um seinen neu entwickelten Maine Hunting Boot an den Mann zu bringen. Heute ist der Laden, der zu einem Drittel Jagd-, Angel- und Outdoor-Ausstatter, zu einem Drittel Klamottenladen und zu einem Drittel Heimeinrichtungs- und Dekoartikel-Geschäft ist, an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden pro Tag geöffnet und stellt das vielbesuchte Zentrum des Ortes Freeport dar. Wir hätten jedenfalls an einem Mittwoch mittag in der Nachsaison fast keinen Parkplatz gekriegt. Und wer die amerikanische Parkplatz-Infrastruktur kennt, der weiß, dass da in der Regel geklotzt und nicht gekleckert wird...
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| Das Welthauptquartier von L.L. Bean in Freeport, Maine. |
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| Mit diesen Stiefeln hat alles angefangen. |
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| Heute gibt's alles, was das Herz begehrt. ;) |
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| Und die Anna erfreut sich wieder an der Taxidermie. |
Nach einem ausgiebigen Einkaufsbummel sind wir dann schnell zum Yacht- und Fischereihafen von South Freeport gefahren, um bei der
Harraseeket Lunch and Lobster Company unseren ersten Maine-Hummer zu essen. Ein absolut uriges Lokal, ja eigentlich mehr ein Imbiss, wo man sich am Fenster den Hummer seiner Wahl mit Beilage nach Wahl (zum Beispiel Maiskolben oder Pommes) bestellt, und dann auf rustikalen Holzbänken mit den Händen isst. Das gibt's auch nur in Maine.
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| Hier bestellt man sich den Hummer. |
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| Und so wird er dann gegessen. |
So gestärkt sind wir dann noch eine Stunde weiter ans Kap Newagen gefahren, das nur wenige Minuten südlich von Boothbay Harbor an der Schärenküste von Maine liegt. Wieder ein tolles, historisches Hotel direkt am Wasser, wo wir auch gleich zu Abend gegessen haben. Für mich gab es wieder Hummer, diesmal in Form eines Maine Lobster Bake, d.h. ausgelöstes Hummerfilet mit Muscheln, Kartoffeln und Maiskolben, alles schön mit Butter übergossen. Dazu noch ein paar lokale Austern als Vorspeise - so lässt es sich leben. ;)
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