Samstag, 24. September 2016

Zwei-Flüsse-Tag

Bevor es kommenden Donnerstag wieder nach Deutschland zurück geht, wollten wir es Fischerei-technisch noch einmal richtig krachen lassen. Also haben wir sowohl gestern (Freitag) als auch heute (Samstag) jeweils einen Familienausflug zum Swift River gemacht. Sandi und ich in der Wathose, Anna in der Krax'n hinten drauf - ein Klassiker. Was aber wirklich erstaunlich war: Als wir am Freitag um 10:00 am Fluss angekommen sind, waren schon zahlreiche Autos zu sehen, und während unseres knapp 3-stündigen Aufenthalts sind wir doch einigen anderen Anglern begegnet. Und das, obwohl wir uns gedacht hatten, es sei eine gute Idee, unter der Woche loszulegen, um unsere Ruhe zu haben. Aber anscheinend ist es nicht für alle Amerikaner ein Problem, nur zwei Wochen Urlaub im Jahr zu haben - irgendwelche anderen Wege, den Tag am Wasser anstatt im Büro zu verbringen, muss es wohl geben. Gebissen haben die Fische leider nicht richtig, bis auf ein paar kleinere (und im Fall von der Sandi zwei beinahe essbare) Saiblinge sind wir leer ausgegangen. Aber kein Wunder - wenn die Fische rund um die Uhr mit verschiedensten Ködern bombadiert werden, haben die auch irgendwann keine Lust mehr...
Die Anna übt sich auch schon im Schwingen der Fliegengerte.
Nach der Angelei haben wir dann noch kurz bei der McLaughlin Fish Hatchery vorbei geschaut, einer der 4 staatlichen Fischzuchten von Massachusetts. Das ist eine der vielen großartigen Einrichtungen hier: Die Erlöse aus Jagd- und Angelscheinen verbleiben nämlich offenbar vollumfänglich bei der staatlichen Jagd- und Fischereibehörde, die sich dann wiederum zentral um den Fischbesatz der für jedermann zugänglichen Flüsse kümmert. Und natürlich ist jede dieser Fischzuchten für jeden Bürger frei zugänglich, damit man sich selber ein Bild machen kann, was der Staat mit den eingesammelten Geldern anstellt. Das Ganze ist im Grunde aufgebaut wie die Fischzuchten kommerzieller Teichwirte bei uns daheim (Kiesle und co.) - vielleicht ein bissel größer. Auf jeden Fall war die Anna ganz angetan von den Becken voller Regenbogenforellen, vor allem, weil man auch selber füttern durfte.

In all diesen Becken werden Regenbogenforellen für die Flüsse des westlichen Massachusetts gezüchtet.
Die Anna studiert die Fische ganz genau.
Heute sind wir dann - entgegen erster Planungen - nochmal zum Swift gefahren, weil einfach wunderschönes Herbstwetter (gut 20 °C, blauer Himmel, Sonne) mit wunderbar frischer Luft war. Da muss man ja quasi raus in die Natur. ;) Diesmal waren wir aber ein bisschen später dran, und erstaunlicherweise war in der Zeit von ungefähr 11:45 bis 15:00 nix los am Fluss, wir waren die ganze Zeit unter uns. Was wunderbar war, weil wir heute auch eine Mittagspause eingelegt und quasi am Wasser gepicknickt haben. Fangmäßig war's heute wieder ein bisschen besser - aber essbare Fische kriegen wir einfach nicht raus - die Fische sind zu g'scheid für uns. ;)

Brotzeit in der Wildnis.
Um 15:00 sind wir dann über eine schöne, bis dato noch nicht gefahrene Landstraße nach South Hadley zur Brunelles Marina am Connecticut River gefahren. Wie ich heute morgen herausgefunden habe, bieten sie dort nämlich Flussrundfahrten mit dem Ausflugsschiff Lady Bea an. Und schon seit ich das erste Mal die Brücke zwischen Northampton und Hadley überquert und einen Blick auf den mächtigen Connecticut geworfen hatte, wollte ich den Strom unbedingt mal von Nahem erleben. Die Rundfahrten mit der Lady Bea dauern 75 Minuten, und das Schiff bietet Platz für weniger als 50 Personen. Am Wochenende (und in der Saison wohl täglich) legt das Schiff dreimal täglich ab. Obwohl wir gedacht haben, dass wir da heute, gut 2 Wochen nach Saisonende wahrscheinlich die einzigen Passagiere sind, war es gut, dass ich in der Früh reserviert hatte: Anscheinend hat in der Marina bzw. im angeschlossenen Restaurant eine Familienfeier statt gefunden, von der alle Gäste auch an der von uns gebuchten Flussrundfahrt um 16:00 teilnehmen wollten. Ohne Reservierung wären wir also nicht mitgekommen. Und so waren wir dann die einzigen, die nicht zu der (relativ lauten ;-)) Gesellschaft gehört haben. Die Fahrt hat sich aber auf jeden Fall voll gelohnt. Ungefähr 7 km fährt man den Fluss hinauf und kommt u.a. am Rainbow Beach vorbei, einer Insel mit Sandbank, wo die ganzen Motorbootfahrer vor Anker gehen, baden, grillen und Bierdosen leeren. Auf der Fahrt haben wir auch einen Weißkopfseeadler gesehen, der sich grad einen ordentlich Fisch gefangen hatte.

Das Schiff, die "Lady Bea".
Die meiste Zeit wird der Connecticut von Wald gesäumt...
...aber ab und an gibt's eine Marina, einen Campingplatz oder andere Zugänge für Erholungssuchende.
Jetzt im Herbst ankern nur noch verhältnismäßig wenige Boote am Rainbow Beach.
Insgesamt zwei schöne Tage an zwei von drei Flüssen (der dritte wäre der Deerfield), die hier das Leben allgemein, aber auch unseren Aufenthalt im Speziellen, prägen bzw. geprägt haben. Die für jedermann zugänglichen Gewässer werde ich auf jeden Fall vermissen...

(Mit zugänglich ist hier nicht gemeint, dass man hingehen und evtl. drin baden darf, was ja auch in Bayern üblich ist. Ich meine damit eher, dass dir in Massachusetts quasi keine Grenzen gesetzt sind: Flüsse sind hier öffentlicher Raum, und du kannst - die entsprechende, für jedermann leicht zu erwerbende Lizenz vorausgesetzt - nicht nur angeln, soviel du willst, sondern auch jede mögliche Form von Wassersport ausüben, ohne dass die typisch deutsche Überregulierung dir Steine in den Weg legt.)

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