Sonntag, 28. August 2016

Cabela's - oder: Auch Männer können im Shopping-Himmel schweben

Nach dem umfangreichen Ausflugsprogramm vom Freitag, haben wir den gestrigen Samstag eher ruhig angehen lassen. Vormittags waren wir gut 3 Stunden zu dritt beim Fischen am Swift River, wo ich erstmals einen Saibling in essbarer Größe überlisten konnte. Den hat am Abend dann die Anna zum Essen gekriegt (Sandi und ich haben uns mal wieder ein ordentliches Steak gegönnt), die sich mehr als nur drüber gefreut hat und den ganzen Fisch innerhalb von Minuten richtiggehend verschlungen hat. Aber selbst gefangene Saiblinge aus so kristallklarem Wasser sind halt auch einfach eine Delikatesse der Natur.

Am heutigen Sonntag sind wir dann einmal mehr nach Hartford, Connecticut gefahren, um die dort ansässige Filiale von Cabela's zu besuchen. Die meisten werden sich jetzt fragen, was Cabela's ist: Eine 1961 gegründete Kette von Läden (insgesamt heute 82 über die USA und Kanada verteilt), deren knapp 20.000 Mitarbeiter im Jahr 3,6 Milliarden US-Dollar Umsatz machen - und zwar AUSSCHLIESSLICH mit Jagd-, Angel- und Outdoor-Zubehör, vom Stopselgewehr bis hin zum Weber-Smoker-Grill, vom Motorboot zur Schrotmunition! Größter Konkurrent sind die in einem der ersten Blogbeiträge schon erwähnten Bass Pro Shops, die sehr ähnlich aufgebaut sind, erst seit 1971 existieren, aber mittlerweile sogar etwas erfolgreicher sind (92 Läden, 4,2 Milliarden Dollar Umsatz, über 20.000 Mitarbeiter). Das (*) gibt schon ein relativ gutes Bild darüber ab, welchen Stellenwert diese Aktivitäten, die den Menschen als integralen Teil der Natur wahrnehmen und unsere Umwelt nicht nur als Kulisse für gerade in der Mode befindliche Sportarten missbrauchen, in Nordamerika haben - ein (wichtiger) Grund, warum es uns hier so gut gefällt.

Jedenfalls kann man sich als Europäer einen solchen Laden kaum vorstellen, wenn man so etwas noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Selbst ein Fisherman's Partner in Parsdorf, der wahrscheinlich einer der größten und bestsortierten Angelläden Südbayerns ist, oder ein Müller Schießzentrum in Ulm, das aus jagdlicher und schießsportlicher Sicht in Deutschland seinesgleichen sucht, sind bestenfalls ein müder Witz im Vergleich zu typischen Cabela's bzw. Bass Pro-Filialen. Während wir schon mehrere Bass Pro-Läden besucht haben (z.B. in Calgary/Alberta, Denver/Colorado oder Boston/Massachusetts), war der Hartforder Cabela's unser erster dieser Reihe. Und es sollte sich heraus stellen, dass er von allen bisher besuchten Geschäften wahrscheinlich sogar das Interessanteste ist - nirgendwo sonst gab es bisher nämlich z.B. eine eigene Ausstellung zur regionalen Fauna (fast wie ein klitzekleines Naturkundemuseum) oder sogar einen in den Laden integrierten Diner, der Wild- und Fischgerichte als Fast Food anbietet! Wir hatten jedenfalls gut 2 Stunden unseren Spaß, und ich kann behaupten, dass in einem solchen Ambiente Shopping sogar mir Freude bereitet. ;) Groß eingekauft haben wir freilich nix mehr (wir sind im Grunde weitestgehend komplett, und spannende Dinge wie Munition in Großpackungen, Tontaubenwurfmaschinen oder Jagd-Armbrüste lassen sich so schlecht nach Deutschland importieren...) - aber ein paar Bücher und Zeitschriften, T-Shirts und anderes Kleinzeug, sowie zwei Hirschburger mit Pommes haben dann doch dazu geführt, dass wir ein paar Dollar da lassen.
Die Cabela's-Filiale in East Hartford, CT.
Der Eingangsbereich. Die Läden sind immer mit professionellen Dioramen in Lebensgröße dekoriert.
Sogar ein kleines Museum über die Tierwelt des Connecticut River-Tales gibt es hier!
In der Ausstellung.
Ein Aquarium darf auch nicht fehlen!
Während die Erwachsenen shoppen, erfreuen sich die Kleinen (hier: Anna mit einem neu gewonnenen Freund, der ihr zeigt, wo sie hinschauen muss :)) an den Tierdioramen. 
Wer zwischendurch eine kleine Stärkung braucht, kann hier auf einen Bisonburger oder Enten-Wings einkehren.
Danach geht's dann auf den (Lasergewehr-)Schießstand.
Die Anna will mal Trapper werden.
Ein Teil der Gewehr-Auswahl (leider ein bischen unscharf)...
...und eins von 3 oder 4 Munitionsregalen.
Und weil wir in Hartford ja quasi schon auf halber Strecke waren, sind wir von dort aus noch "kurz" runter an die Küste von Rhode Island gefahren, um zum zweiten Mal an diesem langen Wochenende den East Beach von Watch Hill zu besuchen - zu schön war's dort einfach am Freitag. Leider war's heute nicht ganz so befriedigend, weil am Sonntag einfach nochmal wesentlich mehr los ist und allein die Parkplatzsuche entsprechend nervenaufreibend war - vom Trubel am Strand ganz zu schweigen. Für ein gutes Stünderl Rast und Abkühlung im Meer hat's aber gereicht, bevor wir uns wieder auf den Heimweg gemacht haben. Alles in allem also ein voll ausgelastetes Wochenende. Und das letzte unverplante - kommende Woche geht's ja schon nach Montreal!


(*) Nur, um das noch richtig einzuordnen ein Beispiel: Die gesamte deutsche Augenoptik-Branche hat laut Branchenbericht im Geschäftsjahr 2015 5,8 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Noch ein anderes Beispiel: Im gleichen Geschäftsjahr hat IKEA Deutschland 4,4 Milliarden Euro umgesetzt. Und Sehhilfen, Sonnenbrillen oder günstige Möbel und Einrichtungsgegenstände braucht so gut wie jeder!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen