Sonntag, 21. August 2016

Road Trip durch die Berkshires

Für dieses Wochenende hatten wir uns vorgenommen, einen Road Trip durch die Berkshires zu unternehmen. Das ist ein Höhenzug (von Gebirge mag ich da gar nicht unbedingt reden), der sich etwa von Northampton westlich bis an die Grenze zum Staat New York hin zieht. Wir wollten vor allem dorthin, weil es im kleinen Städtchen Lee ein Shopping Outlet gibt, und haben uns dann gedacht, dass wir das ganze in eine kleine Rundtour verwandeln, wo wir mehrere sehenswürdige Stopps einbauen und auch den äußersten Westen von Massachusetts kennen lernen können. Das war dann letztlich der Plan:
Die Route des Berkshire Road-Trips.
Da die Anna an diesem Samstag schon um 6:00 putzmunter war, konnten wir uns in aller Ruhe fertig machen und frühstücken und dann irgendwann kurz vor 9:00 losfahren. Erster Stop: Lee Premium Outlets, ein typisch amerikanisches Outlet-Center, wie wir es mittlerweile auch in Deutschland immer öfter haben (vgl. Ingolstadt Village). Nicht ganz so groß wie die Wrentham Outlets südwestlich von Boston, die wir ja am Tag nach der Ankunft und in früheren Urlauben schon besucht haben, aber dafür irgendwie "netter" und auch mit vielen kinderfreundlichen Angeboten. Und die Levi's-Jeans für 40 Dollar kriegt man da genauso.
In den Lee Premium Outlets.
Auch die Anna shoppt schon fleißig mit.
Nachdem ich mir dann zwei paar neue Adidas-Sneakers für zusammen 90 Dollar gekauft habe (ich bin ja extra nur mit einem paar Schuhe angereist...) und wir noch ein paar Anziehsachen für die Anna gekauft haben, sind wir auch schon wieder weiter in den Nachbarort Lenox gefahren. Neben Great Barrington und Stockbridge ist das (laut Lonely Planet) eine der sehenswerten Kleinstädte der Berkshires, die jedes Wochenende von unzähligen Touristen aus New York City heimgesucht werden. So in der Art war's dann auch: Eine Galerie nach der anderen, viele Restaurants, die meisten aber relativ "fancy" - und mehr Autos mit New Yorker Nummernschild als Autos aus Massachusetts. Und auch das Publikum eher in Richtung überkandidelt. Wir haben uns gedacht: New Yorker und Münchner haben durchaus was gemeinsam - nicht nur wegen der hohen BMW-Dichte, die uns ebenfalls aufgefallen ist... Wir haben zum Glück trotzdem ein tolles Restaurant, eigentlich eher einen Pub, gefunden, der bodenständige Speisen zu vernünftigen Preisen angeboten hat - die Old Heritage Tavern. Als besonderes Schmankerl konnten wir sogar einen Schattenplatz im "Wirtsgarten" ergattern, wo es sich super aushalten ließ und wir schön Leute beobachten konnten. Das Essen war wirklich sehr gut: Für mich gab's eine Lobster Roll (also ein Brot, gefüllt mit kleingeschnittenem und angemachtem Hummerfilet) mit Chips und Cole Slaw und für die Sandi einen Lachsburger mit Süßkartoffelpommes. Mjamjam!

Im Hintergrund der "Wirtsgarten" von der Old Heritage Tavern.
Lobster Roll mit Chips - ein Traum!
So gestärkt, konnten wir, ohne unseren Aufenthalt in Lenox unnötig in die Länge zu ziehen, unseren Road Trip fortsetzen. Nächster Stop war der Gipfel des Mount Greylock, seines Zeichens nicht nur der höchste Gipfel in den Berkshires, sondern sogar von ganz Massachusetts. Dass er nur 3.491 Fuß (also 1.064 Meter) hoch ist, sagt einiges über die "Berge" von Massachusetts aus - ist halt eher wie im Bayerischen Wald, als wie in den Alpen. Typisch amerikanisch ist es aber, dass man - natürlich - mit dem Auto bis auf den Gipfel hinauf fahren kann, was wir selbstverständlich auch gemacht haben. Dort oben hat man dann nicht nur eine super Aussicht, die an guten Tagen bis zu 90 Meilen weit und über 3 Staaten hinweg reichen kann, sondern auch die Möglichkeit, in der Bascom Lodge zu essen, einen Kaffee zu trinken oder gar zu übernachten. Übernachten tun dort allerdings in erster Linie Wanderer, die den Appalachian Trail, einen der berühmtesten Fernwanderwege der USA, gehen. Der geht nämlich auch exakt über den Gipfel des Mt. Greylock! Und so haben wir es uns nicht nehmen lassen, ein paar Meter auf dem Appalachian Trail entlang zu gehen und entsprechende Poser-Photos zu schießen. ;) 
Panoramablick vom Mt. Greylock.
Für die, denen das nicht so bewusst ist: Fernwandern ist in den USA ein Riesending, das vermutlich noch wesentlich weiter verbreitet ist bzw. mehr Anhänger hat, als z.B. der Jakobsweg in Europa. Und der Appalachian Trail ist da ganz vorne dabei. Es gibt sogar einen Roman drüber, nämlich "Picknick mit Bären" von Bill Bryson, der vor kurzem auch mit Nick Nolte und Robert Redford in den Hauptrollen verfilmt wurde. 

Die Anna wandert lieber den Appalachian Trail entlang, als für ein Photo zu posieren.
Dafür schaut sie hier patriotisch wie der Ronald Reagan. ;)
Für die Wanderer geht es vom Mt. Greylock aus noch ca. 400 Meilen weiter nach Nordosten durch Vermont, New Hampshire und Maine, bevor sie auf dem Gipfel des Mt. Katahdin nach 2.200 Meilen endlich ihr Ziel erreicht haben. Für uns aber ging es - sicher etwas komfortabler - mit dem Auto wieder hinunter ins Tal an den Oberlauf des jetzt schon öfter erwähnten Deerfield River, direkt unterhalb des Fife Brook-Staudamms. Weil wir schon in der Gegend waren, wollte ich ein paar Würfe mit der Fliegenrute machen, in der Hoffnung, wenigstens in dem kühlen Wasser, das da gerade frisch aus dem Staudamm kommt, mal Erfolg zu haben. Auch hier war es leider wieder nix, also weg mit der Fliegenrute und raus mit der Badehose. Die kurze Erfrischung hat nach der ganzen (kurvigen) Fahrerei richtig gut getan! 

Was für eine Schleife! Gebissen hat trotzdem nix. :(
Mittlerweile war es dann auch schon 18:00, so dass wir beschlossen haben, langsam die Heimreise anzutreten. Also sind wir dem Mohawk Trail gefolgt, einer der ersten Scenic Routes der USA (1914 ins Leben gerufen). Scenic Routes sind landschaftlich besonders reizvolle Strecken, die sich in besonderem Maß für Road Trips eignen. So ein bisschen, wie die Deutsche Alpenstraße vielleicht. Der Mohawk Trail zieht sich quasi bis zum Connecticut River (und bis zum Freeway) am Deerfield River entlang durch eine ruhige, ländliche Gegend, die vor allem von Indianer-Souvenir-Läden, Ahornsirup-Ständen und Wildwasser-Angeboten lebt. Ist aber wirklich nett entlang zu fahren. In Greenfield, am Ende des Mohawk Trail, haben wir dann noch schnell bei Wendy's zu Abend gegessen - nach mehr als 3 Wochen tatsächlich das erste Mal klassisches Burger-Fast Food! Aber die Wendy's-Burger sind auch wirklich super, kein Vergleich mit McDonalds. Um Punkt 20:00 waren wir dann, nach einem geruhsamen, aber abwechslungsreichen Tag wieder daheim. 

Ach ja: Eins der Highlights habe ich noch gar nicht erwähnt, und leider ging's auch zu schnell, um es auf Photo festzuhalten: Auf dem ersten Streckenabschnitt von Northampton nach Lee haben wir zum ersten Mal wilde Truthähne gesehen, die die Straße überquert haben! :)


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